NESPRESSO und die Aluminiumkapseln oder: 80 € für ein Kilo Kaffee, und die Natur steht hinten an …

Ein Freund bat mich, doch mal zu Nespresso und seinen Kaffeekapseln zu recherchieren.

Nespresso vertreibt Kaffee in Tassenportionen, die jeweils in einer Aluminiumkapsel stecken. Es gibt zahlreiche Sorten und genauso zahlreich und bunt sind auch die Muster und Farben der Kapseln. Eine kostet ca. 40 Cent, was erheblich teurer ist, als ein Kilo Kaffee im Ganzen zu kaufen: Nespresso kommt so auf einen Umsatz von 80 € pro Kilo. Weltweit werden jedes Jahr Milliarden dieser Kapseln verkauft.

Zum Vergleich: Normaler Kaffee kostet zwischen 8 und 10 € pro Kilogramm.

Für die Kaffeegenießer, die die zugehörige Maschine gleich mitkaufen müssen, bedeutet das, dass sie sich in ihrer Küche zuhause wie in einem Café fühlen können… ich verstehe das, denn mein Freund und seine Frau haben mich schon öfter so einen Kaffee trinken lassen.

Aber nun zuerst zu den Fakten und anschließend kann jeder noch lesen, welche Mühe ich mir gegeben habe, um von Nespresso selbst Antworten auf meine Fragen zu bekommen – im Nespresso-Online-Chat auf der stark durchgestylten Firmenwebseite…

Die Fakten:

1. Aluminium ist äußerst umweltschädlich bei dessen Abbau

Zum einen, weil es vorrangig dort abgebaut wird, wo sonst Regenwald wächst und zum anderen weil dabei hochgiftiger Rotschlamm entsteht, der aufwendig deponiert werden muss bzw. eigentlich neutralisiert werden müsste. Hier ein Artikel zum Thema Bauxitabbau und Rotschlamm:
http://www.netzhammerbreiholz.de/index.php/halber-schutz-49.html

2. Aluminium kann nicht zu 100 Prozent recycelt werden.

Beim Verschmelzen des Alumiums – das übrigens sehr energieaufwändig ist, weil dazu eine Temperatur von 660 Grad erreicht werden muss – entsteht eine Schlacke, die ungefähr 10 Prozent des in den Verschmelzungsprozess eingeführten Aluminiums einnimmt. Man spricht hier vom sogenannten „Verschwelen“. Ob dabei auch Gase freigesetzt werden? Diese Frage hat Nespresso noch nicht beantwortet (siehe unten – „Fragen und Antworten“). Die Schlacke jedenfalls stellt kein reines Aluminium mehr dar und kann somit nicht für neue Aluminiumkapseln verwendet werden. Der Rest der Kapsel – sie besteht zu 13 Prozent aus Plastik und Lack – verbrennen entweder oder werden Teil der Aluminiumschlacke.

Hier ein Artikel zum Thema Recycling von Kaffeekapseln:

http://www.umweltdialog.de/de/wirtschaft/branchen/2017/Ach-du-gruene-Kapsel.php

3. Alumium schmilzt erst bei 660 Grad Celsius

Nespresso will seine Kunden glauben machen, dass die Verbrennung des Kaffeesatzes, der sich in der Alumiumkapsel befindet, dabei eine wesentliche Rolle spielt … so wie Nespresso es formuliert, könnte der unbedarfte Leser glauben – und das soll er wohl auch – dass allein die Energie aus der Kaffeesatzverbrennung für das Recycling des Alumiums genügt. Und das kann schlicht nicht sein. Hier ist festzuhalten: Auch wenn Alumiumrecycling wesentlich weniger Energie kostet als der hochgiftige Bauxitabbau, so ist es dennoch insgesamt betrachtet ein energieaufwändiger Prozess. Ein Prozess der bezüglich unseres Kaffeegenusses vollkommen vermieden wird, wenn es gar keine Aluminiumkapseln gibt …

Und hier nun meine Frage-Odysee in Nespressos Online-Chat und danach per direkten E-mails:

„Qualtität und Nachhaltigkeit gehen für Nespresso Hand in Hand – von der Kaffeekirsche bis zur Entsorgung unserer Kapseln.“ (Auszug aus der Firmenwebsite)

Was das wirklich bedeutet?

Nespresso sagt, dass seine Bauern Preise erhalten, die 30 bis 40 % über dem jeweiligen Marktpreis für Kaffee liegen. Das bedeutet, ein Bauer erhält das 1,3 bis 1,4 fache des marktüblichen Preises für seinen Kafffee.

Nespresso erzielt allerdings das 8fache des marktüblichen Verkaufspreises für den Kaffee.

Nespresso sagt, dass 300 Agrarwissenschaftler Aktionspläne entwickeln, damit die Bauern 296 Nachhaltigkeitskriterien erfüllen.

Welche 296 Nachhaltigkeitskriterien das sind?

Hier beginnt mein Online-Chat mit den Betreuern der Webseite:

Frage:  Welches sind denn die 296 Nachhaltigkeitskriterien, die die 70.000 Bauern erfüllen müssen?

NESPRESSO:

Die genauen, einzelnen Punkt zu erläutern würde hier zu weit führen, aber aktuell arbeiten wir mit mehr als 70.000 Kaffeebauern in zwölf kaffeeproduzierenden Ländern zusammen, um die Kaffeequalität, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit und die Produktivität zu verbessern. Weitere Informationen haben wir unter https://www.nespresso.com/de/de/our-choices zusammengestellt.
(Anmerkung: Leider finde ich dort kein einziges konkret benanntes Nachhaltigkeitskriterium.)

Frage:  Wird für den Kaffee-Anbau auch Regenwald gerodet?

NESPRESSO:

Nespresso kümmert sich um die Fragen der Rodung von Regenwald aufgrund des Bauxit Tagebaus. Als Gründungsmitglieder der Aluminium Stewardship Initiative (ASI) war Nespresso an der Entwicklung des ASI Performance Standards beteiligt. Diese legen klare Grundsätze für das Biodiversitäts-Management fest. Dazu gehören Risikobewertungen, Entwicklung von Managementprozessen und spezifische Verpflichtungen zur Vermeidung von Auswirkungen auf Schutzgebiete. Der Standard wurde 2014 lanciert. Nespresso hat es sich zur Aufgabe gemacht, die ASI-Standards bei der Aluminiumbeschaffung zu 100 Prozent einzuhalten.

Frage:

Und was ist mit den Auswirkungen auf Regenwald, der außerhalb eines Schutzgebiets liegt? Und was heißt eigentlich „Schutzgebiet“? Ist das gleichbedeutend mit „Regenwald“ oder ist das so etwas wie ein offziell ausgewiesener Nationalpark?

Und ausserdem wollte ich noch wissen, ob für die Kaffeeplantagen selbst Regenwald gerodet wird.

NESPRESSO:

Im Rahmen des AAA-Programms erhalten die Kaffebauern neben Schulungen für den nachhaltigen Kaffeeanbau auch Prämienzahlungen für Qualität und Nachhaltigkeit. Das Programm verfolgt das Ziel, die Kaffeequalität, die ökologische und soziale Nachhaltigkeit und die Produktivität auf den Kaffeefarmen zu verbessern. Im Rahmen des Programms steht den Bauern ein Netzwerk von rund 300 Agrarwissenschaftlern zur Seite, um Nachhaltigkeit und Produktivität bei gleichbleibender Qualität zu verbessern. Für eine genauere Antwort können sie uns gerne per Mail über dekontakt@nespresso.com erreichen.
Wir werden uns gerne ausführlicher zu dem Themengebiet äussern.

Frage: 

Ich benötige mehr Informationen als nur die Verweise auf Programme und Standards. Ich will wissen, was das inhaltlich konkret für den Anbau und die Bauern sowie für die Umwelt bedeutet. Gerne werde ich meine Fragen auch noch einmal wiederholen, aber es werden genau dieselben sein wie jetzt gerade eben….

NESPRESSO:      Sehr gerne 🙂 Wir werden Ihnen schreiben!

(Eine weitergehende Antwort auf diese Fragen erging nicht…)

Frage:  Wissen Sie, dass die „Rainforest Alliance“ stark kritisiert wird, v.a. was den Bananenanbau betrifft? Dort sollen Pestizide versprüht werden, von denen die Arbeiterkinder behindert auf die Welt kommen… das klingt furchtbar. Stimmt das? Und wenn ja: Was tun Sie dagegen?

NESPRESSO:

Herzlichen Dank für das Interesse, ich werde ausführliche Informationen zusammenstellen und ihnen diese per Mail zukommen lassen.

(Eine weitergehende Antwort auf diese Frage erging nicht – auch nicht per E-mail….. )

Bei meiner weitergehenden Suche fand ich auf der Webseite der „Rainforest Alliance“ u.a. folgendes zur Nachhaltigkeit:

„Erhaltung der Biodiversität: Zertifizierte Plantagen schützen ihre natürlichen Ökosysteme und tragen nicht zur Entwaldung bei. Sie helfen dabei, die Landschaft, deren Teil sie sind, zu erhalten, indem sie Wildtierkorridore und Gewässersysteme erhalten und indem sie negative Einflüsse auf nahegelegene Schutzgebiete vermeiden. Sie unterstützen den Schutz gefährdeter Arten und anderer einheimischer Tiere und Pflanzen, indem sie die Jagd verbieten, die Verbreitung invasiver Arten verhindern und Schritte unternehmen, mit denen Konflikte zwischen Menschen und Wildtieren gering gehalten werden.“

(Wirklich viel sagt das nicht aus.)

Es heißt, Nespresso pflanzt Millionen von Bäumen. Auch dazu habe ich einen Artikel gefunden:

www.umweltdialog.de/de/unternehmen/oekologie/2017/Wie-viel-Klimaschutz-steckt-in-Kaffeekapseln.php

Hier heißt es: „Zusammen mit dem Partner Pur Projet (…) pflanzt Nespresso in den AAA-Anbauregionen Millionen von Bäumen. Bis heute wurden 1,4 Millionen gepflanzt, bis 2020 sollen es rund 5 Millionen sein. (…) In der Praxis werden dazu hochwachsende Bäume zwischen die Nutzpflanzen gesetzt.(…) Sie sorgen für einen resistenteren Boden, der vor Erosionen schützt, sie filtern das Wasser und fördern die Artenvielfalt.“

Und an dieser Stelle war ich mit Nespresso endlich einmal richtig zufrieden. Den Ansatz, die Kaffeeplantagen mit Bäumen zu durchsetzen, finde ich vorbildlich.

Fazit:

Vor allem bei der Frage des Energiebedarfs und der Effizienz des Aluminiumrecycling klärt Nespresso seine Kunden nicht vollständig auf.

Der Bauxitabbau ist für den Einsatz der Aluminium – Kaffeekapseln unausweichlich.

Und hier stellt sich nur eine Frage, die sich allerdings wohl gleich beantworten lässt:

Warum bietet Nespresso nicht Edelstahlportionierer mit Griff an, in die genau eine Tassenportion passt und die – mehrfach verwendbar – in die Kaffeemaschine eingesetzt werden?

Antwort dürfte sein:  Damit würde Nespresso ein ganz erheblicher Profit entgehen.

Weil es für den losen Kaffee in der Tüte dann bestimmt nicht mehr 80€/Kilogramm gibt. Das bezahlt dann keiner mehr.

Für bunte kleine Kapseln scheinen wir gerne 40 Cent/Stück zu bezahlen – da kommt der kindliche Spieltrieb bei uns durch.

Ob wir auch eines Tages an das Aluminium und die damit einhergehenden Umweltschäden denken?

In diesem Sinne,

Eure Franziska

 

Kommentar schreiben: