Wie umweltfreundlich sind BIO-Lebensmittel wirklich?

Zunächst einmal:  Das BIO-Label wurde nicht entwickelt, damit Umwelt und Tiere besonders geschont werden.

Es sollte ausschließlich den menschlichen Konsumenten davor bewahren, zuviele Insektizide, Pestizide und andere Chemikalien mit den Lebensmitteln zu verzehren. Kurz gesagt: Das BIO-Label sagt nur indirekt etwas über die – möglicherweise auch gegebene – Umweltfreundlichkeit von Produkten etwas aus.

Volker Croy zu:     „Was ist mit der Umweltfreundlichkeit von Bio-Lebensmitteln?“

Was die Giftigkeit für Natur und Boden angeht, muss man sagen, kommt es darauf an, was der Bauer/Gärtner macht – und zwar unabhängig davon, ob es ein konventioneller oder ein „Bio“-Betrieb ist.

Einige pflanzliche Pestizide, die der Bioanbau einsetzt, wie Pyrethrine sind durch ihre Giftwirkung eine Gefahr für die Natur, vor allem für Kaltblüter und besonders für Fische. Nur weil etwas pflanzlich ist, ist es nicht automatisch gut oder wenig giftig. Auch das Kupfer, was gegen Pilzkrankheiten eingesetzt wird, tötet nicht nur diese, sondern auch nützliche Pilze wie Mykorrhiza im Boden und reichert sich dort an.

Nicht „BIO“ entscheidet …. der Bauer tut es!

Aber vor allem junge Bauern und Gärtner haben neue Ideen und brechen aus alten Denkweisen aus. Da ist es egal, ob sie „Bio“ oder „konventionell“ sind.

Denken Sie beispielsweise an die solidarischen Landwirtschaftsbetriebe (SoLaWi), die sind fast alle „konventionell“ wirtschaftend. Konventionell heißt nicht, dass ich die Natur vergiften muss, sondern der Bauer hat die Wahl.

Bio heißt nicht, dass ich die Umwelt schone, auch hier hat der Bauer die Wahl, ist aber dabei eingeschränkter (sowohl positiv, als auch negativ).

Ich kenne das von beispielsweise DeinHof (SoLaWi bei Dresden), die sind nicht Bio zertifiziert, arbeiten dafür aber mit Netzen und sind viel insektenfreundlicher als Biobetriebe, die Insektizide wie Neem oder Pyrethrine einsetzen. Das ist ein sehr vorbildlich wirtschaftender Betrieb, aber er hat trotzdem kaum eine Chance auf ein Bio-Zertifikat.

Ganz lassen sich Pestizide in der Landwirtschaft wohl nicht weg lassen (außer bei Obst, Gemüse und Zierpflanzen), aber ich kann harmlosere Mittel wie Seifenlösung, Pflanzenöle oder Schwefelverbindungen verwenden, die Pflanzabstände größer wählen und mit mehr Hygiene im Betrieb arbeiten.

Dazu muss sich aber der Bauer entscheiden.  Fragen Sie den Bauern, von dem Ihre Lebensmittel stammen.

Volker Croy zu:       „Bio-Hühner aus Bio-Massentierhaltung?“

(Das traurige BIO-Huhn ist leider möglich und es ist Realität. Und Realität scheint auch zu sein, dass wir alle auf dem Hühnerhof unseres Vertrauens kaufen müssten, um wirklich sicher zu sein, dass es den Hühnern gut geht. Leider ein Grund, vorerst vegan – also jedenfalls ohne Eikonsum – zu leben. Glücklich ist, wer einen Hühnerhof seines Vertrauens hat und dort einkaufen kann.)

Wer so einen Hühnerhof kennt, sollte dort kaufen

Bio-Zertifizierung und Massentierhaltung schließen sich leider nicht aus.

Viele denken bei Eiern und Hühnern mit Biosiegel, an natürliche Kleingruppen von 10 oder 15 Hühnern mit einem Hahn, wo sich alle Tiere wohlfühlen.

Daran kommen nur kleine Direktvermarkter heran (die meisten haben etwas mehr Hühner), bei größeren Betrieben sieht es anders aus.

So kann ein BIO-Huhn aussehen ….

Es gibt Massentierhaltung bei Bio-Betrieben:

Z.B. Legehennen: Maximal 6 Tiere pro m² Bewegungsfläche, 5 Hennen pro Nest, 20 cm Sitzstange pro Huhn, 3000 Tiere pro Stall, und ein Drittel der Gesamtfläche muss nur eingestreute Scharrfläche sein, auch Drahtgitter zum Sitzen zählen als „Bewegungsfläche“ und die können auch vertikal im Raum angeordnet werden, die Zahl der Tiere wird dabei nur nach Betriebsfläche begrenzt.
(Biolandrichtlinien Stand Januar 2018)

Selbst für Demeter gilt das gleiche, auch bei den maximalen 3000 Tieren pro Stall, nur dass zusätzlich auf 16 kg Huhn pro m² Bewegungsfläche eingeschränkt wird (Demeterrichtlinien Stand Januar 2018).

Auch wenn es 50 % weniger Tiere pro m² als bei „konventioneller“ Massentierhaltung sind, tierfreundlich sieht anders aus.

Es bleibt eine Massentierhaltung und 0,167 m² pro Huhn ist nicht viel Platz (davon nur 0,056 m² zum Scharren (etwas weniger als eine A4-Seite), der Rest kann Drahtgitter sein) und bei 20 cm Sitzstange pro Huhn sitzen sie sehr eng und hacken sich gegenseitig oder ein Teil hat keinen Stangenplatz.

Guten Appetit! Hoffentlich umweltfreundlich und nur mit glücklich erworbenen Tierprodukten

 

Sie sollten nicht der Werbung auf den Produkten, im Markt oder der Hersteller glauben.

Lesen Sie es in den Richtlinien nach. Die konkreten Zahlen befinden sich in den Anhängen der Richtlinien (ab S. 58 für Hühner bei den Demeterrichtlinien und ab S. 16 bei den Biolandrichtlinien).

Auch viele kleine Eierhändler mit Stand auf dem Markt, haben die Hühner nicht daheim, sondern kaufen irgendwo zu. Wer palettenweise Eier anbietet, der muss irgendwo viele Hühner haben. Rechnen Sie mit einem Ei pro Huhn und Tag, und wenn der Verkäufer täglich 1000 Eier verkauft, müssen irgendwo 1000 Hühner sein. Und die Händler wechseln von Tag zu Tag den Markt. Nur weil er einmal die Woche bei Ihnen ist, heißt das nicht, dass er den Rest der Woche nichts verkauft, egal was er behauptet.

 

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